• Yasemin Kamisli

Sarya Ataç: "Wir müssen uns deutlich gegen jede Art von Benachteiligung positionieren"

Die meisten 20-jährigen würden deren Alltag als ziemlich banal beschreiben, Sarya Ataç nutzt ihren jedoch dafür, um für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen.


Foto: privat. Instagram @sarya.atac

Werte wie Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit verteidigt Sarya nicht erst seit gestern. Und das, obwohl es ihr aufgrund ihrer kurdischen Wurzeln nicht immer sehr einfach gemacht wurde: "Die ersten Diskussionen über Politik und meine Heimat musste ich in der Grundschule führen", so Ataç, "oft führten diese Diskussionen auch zu größeren Streitereien". Schon als junges Mädchen wollte sie am liebsten immer bei dem Treffen von politischen Entscheidungen dabei sein, da sie damals wie heute eine große alltägliche Wichtigkeit in diesen sieht: "Jedes politische Handeln hat nämlich eine Auswirkung auf mich und mein Leben. Politischer Aktivismus und politische Arbeit sind die zentralen Punkte, die das Zusammenleben auf der Welt organisieren und bewegen", erklärt die 20-jährige. Ein Teil dieser Veränderung und Weiterentwicklung zu sein würde sie bis dato faszinieren und inspirieren, ohne dabei ihre Wurzeln zu vergessen: "Meine Herkunft ist meine Identität, welche meine Persönlichkeit in allen Bereichen beeinflusst hat."


Der Wertschätzung der erreichten Demokratie ordnet Ataç eine besondere Signifikanz zu, "Wenn man weiß, welche Opfer für die Demokratie erbracht werden mussten, wird man auch lernen, diese mehr zu schätzen." Unabhängig von Herkunft, Alter oder Geschlecht haben wir in Deutschland die Möglichkeit, unsere politischen Interessen zu vertreten oder zumindest vertreten zu lassen. "Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit und muss kontinuierlich geschützt und verteidigt werden", so Ataç, "Hass und Hetze, Faschisten und Rassisten, sind einer der größten Bedrohungen für die Demokratie. Insbesondere in Zeiten der Pandemie wird sichtbar, dass die emotionale Situation der Menschen zum Beispiel durch Querdenker und Rechte beeinflusst wird." Genau das sollte unter anderem mehr junge Menschen dazu bewegen, politisch aktiv zu werden: "Um die Politik beeinflussen und mitbestimmen zu können, ist die aktive Teilnahme eine große Notwendigkeit", erläutert Ataç, "wir junge Menschen müssen sichtbarer auftreten, um sozialen und politischen Benachteiligungen entgegenzuwirken. Es ist von großer Wichtigkeit, sich bewusst zu machen, dass jeder von uns etwas bewegen kann."


In ihrer politischen Arbeit für die LINKE möchte sich Sarya besonders für Menschen mit internationaler Geschichte einsetzen. Sie möchte dafür sorgen, dass sie die Möglichkeit bekommen, dieselben Chancen im Bildungsbereich zu erhalten. "Dies zu fördern braucht nicht so viel Zeit und Geld, wie die Regierenden behaupten", stellt Ataç klar, "durch die Förderung von Vereinen und Bildungsinitiativen kann die direkte Kommunikation zwischen Einheimischen und Migranten positiver gestaltet werden. Das führt dazu, dass Barrieren behoben werden und das interne Vertrauen gestärkt wird." Ihr Ziel ist es, eine bindende Brücke zwischen den Hierzulebenden und Menschen mit Migrationshintergrund zu bilden, indem das friedliche Zusammenleben gestärkt wird und sich eine gemeinsame "Sprache" für die Zukunft findet. "Keiner soll sich ausgegrenzt fühlen", führt die 20-jährige fort, "diese Stadt muss solidarischer, gerechter und sozialer werden. Dies erreichen wir nur, wenn wir uns deutlich gegen jede Art von Benachteiligung positionieren." Benachteiligungen würden nicht nur in Form von Diskriminierung stattfinden, sondern auch im Hinblick auf die soziale Armut in Deutschland: "Noch viel zu viele Menschen leben in diesem Land unter einem Existenzminimum, was leider viel zu wenig Beachtung bekommt", so Ataç, "die LINKE stellt die Menschen in den Mittelpunkt und respektiert ihre Menschenwürde an oberster Stelle." (Yasemin Kamisli)