• Yasemin Kamisli

Quang Paasch: "Aktivismus ist für mich eine politische Form des Zusammenarbeitens"

Quang Paasch ist nicht nur Klimaschutzaktivist, sondern auch einer der Pressesprecher für Friday's For Future. Für den 20-jährigen ist der Aktivismus nicht nur essenziell, sondern auch äußerst demokratie-fördernd. Und das, trotz einiger Hürden.

Foto: Rodin Sanagouy Moharrer

Sieht man ihn nicht auf einer Großdemonstration in der Hauptstadt, spricht Quang Paasch auf Podiumsdiskussionen oder mit der Presse über das, was den 20-jährigen Aktivist bewegt: zum einen der Klimawandel mit seinen prekären Folgen, zum anderen die soziale Gerechtigkeit. Ein Motor, den Paasch jedoch nicht erst seit gestern antreibt. "Meine Politisierung kann ich glaube ich nicht an einen Moment festmachen. Es sind sie unzähligen Ereignisse in meiner Kindheit und Jugend gewesen, die mich zu der heutigen Person sozialisiert haben“, beginnt Paasch, „ich denke aber natürlich als erstes an meine widerstandsfähigen Eltern. Trotz der vielen Hürden in dieser ungerechten Gesellschaft haben sie mir immer wieder gezeigt, nicht still zu sein und für mich einzustehen.“ Als zweiten Faktor sehe der Aktivist sein erweitertes soziales Umfeld, seien es engagierte Lehrkräfte oder auch die unterschiedlichen Lebensrealitäten seiner Mitschüler:innen und Freund:innen, die ihn immer wieder über strukturellen Probleme haben nachdenken lassen. „Hinzu kommen natürlich auch all die Krisen und Katastrophen, die ich in den Medien verfolgt habe. Diese und weitere Faktoren, treiben mich an mich immer weiterzubilden und für eine befreite Gesellschaft zu kämpfen.“


Um genau zu sein war es der 14. Dezember 2018, welcher bis heute eine essenzielle Bedeutung für Quang Paasch hat. Es war der Tag, an dem in Berlin der erste Klimastreik stattfand. „Als ich dann nach meinem Abitur 2018 von Greta Thunberg mitbekommen habe, dachte ich mir: Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt einfach allein auf eine Demo zu gehen“, erinnert er sich, „und danach nahm dann alles seinen Lauf bei mir.“ Paasch habe sich bereits in der Oberschule als politisch denkend, aber nie als politisch aktiv wahrgenommen. Der Grund dafür sei gewesen, dass ihm die Zugänge zum Aktivismus fehlten. „Ich denke, es war mehr der Zufall zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich in der Innenstadt unterwegs war und dann eine Demo an mir vorbei zog“, reflektiert der 20-jährige Aktivist, „die Macht des Kollektivs hat mich überwältigt, aber auch krass eingeschüchtert. Nichtsdestotrotz bin ich dann spontan mitgelaufen und hab dann Feuer gefangen.“

Politische Beteiligung ist in unserer Gesellschaft als ein großes Privileg- und in keiner Hinsicht als Selbstverständlichkeit hinzunehmen. Für den Klimaschutzaktivist stellt das aktivistische Engagement gleichzeitig jedoch eine Herausforderung dar: „Es kann sehr schnell zum Vollzeitjob werden, der nun mal am Anfang sehr undankbar und unnachaltig sein kann“, so Paasch. Besonders mit der öffentlichen Funktion des Sprechers kamen für ihn zeitliche und mentale Begrenzungen in sein Leben hinzu. „Für mich ist es immer noch absurd, wie viel Verantwortung ich habe.“ Paasch wolle sich nicht beschweren, jedoch sei eine verstärkte Last auf den Schultern zahlreicher jungen Aktivist:innen wahrzunehmen. „Hinzu kommt all der Hass, denen wir im Internet und ‘Analog’ ausgesetzt sind“, führt er fort, „Aktivismus als Form der Arbeit ist eine große Challenge für sich, aber der Kampf um das Ziel eine noch viel Größere.“


Neben Quang Paasch's Engagement bei Friday's For Future setzt sich der 20-jährige auch vielseitig in der politischen Bildung ein. Paasch sieht den Ansatz in der politischen Bildung als Sprungbrett und große Möglichkeit, die Visionen der Menschen zu hören - und viel wichtiger, sie zu verstehen. "Politische Bildung ist der Schlüssel für eine gerechte und demokratische Gesellschaft", so Paasch, "durch Bildungsarbeit können wir viele Menschen nicht nur mitnehmen, sondern auch selbst ermächtigen aktiv zu werden." Nicht jede:r müsse in die Politik oder in den Aktivismus, aber jede:r müsse sich als Demokrat:in wahrnehmen und kritisch denken können. "Klar, wird Bildung nicht alles lösen, am Ende stehen uns weiter die großen systematischen und strukturellen Herausforderungen bevor", stellt Paasch klar, "Bildung kann aber einen kulturellen Gesellschaftswandel hervorbringen und der Treiber sein, um die Menschen für den anderen Wandel mitzunehmen."


Für Paasch seien es Momente des Beisammenseins und die der Wertschätzung, die sein Engagement besonders machen und erfüllen. „Aktivismus ist für mich nämlich eine politische Form des Zusammenarbeitens, deswegen würde ich gerne ebenso all meinen Mitaktivist:innen in den Fokus stellen.“ Ihn berühre das Endergebnis der unzähligen Aktivist:innen jedes Mal aufs neue. Sei es ein erfolgreicher Streik oder nur ein schönes Plenum. „Als ich zum Beispiel am 20.09.2019 den größten Klimastreik Deutschlands mit über 270.000 Menschen moderiert habe, musste ich mehrmals kurz weinen“, so Paasch, „an dem Tag hab ich richtig gemerkt, dass all unsere Arbeit nicht umsonst war.“ Das Potential der jungen Generation spiele hierbei eine enorme Rolle: "Wir haben nicht nur das Potential, sondern auch die Möglichkeiten die Kämpfe der vorigen Generationen auf eine größere Ebene zu tragen und den Prozess zu beschleunigen." (Yasemin Kamisli)